Grüne Hochdorf

Haushaltsrede vom 19.02.2019, gekürzte Fassung
....heute wird der Haushalt für das Jahr 2019 verabschiedet. Dies ist eine gute Gelegenheit
auf das vergangene Jahr zurückzublicken, welche Ziele erreicht wurden, festzustellen, wo wir
heute stehen und zu erkunden, welche Chancen wir für die zukünftige Entwicklung
Hochdorfs ergreifen sollten.
Ortsentwicklung:
2018 erfolgten Weichenstellungen, die sich noch lange in der Zukunft auswirken werden. So
wurde an verschiedenen Stellen in Hochdorf die Entwicklung von Baugebieten
vorangetrieben. Bei der Ortsentwicklung gibt es ja immer die Diskussion, ob man den
Schwerpunkt mehr auf die innerörtliche Nachverdichtung legen sollte und damit das
Verschwinden innerörtlicher Grünflächen akzeptiert oder Baugebiete am Ortsrand ausweist
und damit Grünland und gute Ackerböden unwiderruflich vernichtet. Der Gemeinderat hat
sich hier für ein Sowohl-als-Auch entschieden. Denn es macht ja durchaus Sinn, innerörtliche
Wiesen für die Ortsentwicklung zu nutzen. Bestes Beispiel ist hier natürlich das
Breitwiesenareal.
Breitwiesenareal: 2018 beendete das Breitwiesenaeral seinen Dämmerschlaf als
brachliegendes Bauland. Mit der Erschließung des Baugebiets, wurde das Startsignal für die
lang erwartete Realisierung des Projektes Wohnen Plus in Hochdorf mit eingegliederter
Schulmensa geschaffen. Bei der verbleibenden Fläche gilt es nun, durch eine kluge
Gestaltung Raum für die neue Ortsmitte zu schaffen. Einen Platz, der seinem Status als neue
Ortsmitte gerecht und von den Hochdorfer Bürgern auch als Treffpunkt für Begegnungen
genutzt wird.
Talbachgasse: Das zweite Beispiel für die innerörtliche Entwicklung ist das kleine Baugebiet
"Talbachgasse" am Talbach hinter dem Bachweberhof. Wir von der Fraktion der Grünen
haben uns mit dafür eingesetzt, dass hier anders als sonst in Hochdorf üblich Häuser mit
Flach und Pultdächern entstehen können, damit hier ein Ensemble in einem modernen Stil
entstehen kann.
Im Hof 1, 3, 5: Das Gebäude im Hof 3 ist zwar nicht denkmalgeschützt, aber ein kleines
spezielles Häuschen auf einer Sichtachse im Ortsinneren. Die Fragen, wie viel altes Hochdorf
wir im Ort bewahren wollen, wie viel altes Hochdorf in Zukunft unser Ortsbild prägen wird,
wie viel altes Hochdorf für unser Identitätsverständnis als Hochdorfer notwendig ist, sind
wichtige Fragen, denen wir uns jetzt stellen müssen. Die Antworten werden das Bild
Hochdorfs in der Zukunft prägen. Wir von den Grünen sehen in dem Erhalt des Häuschens im
Hof 3 eine Chance, dem Ortsbild von Hochdorf ein charakteristisches Gebäude zu erhalten,
das von einem sehr einfachen Leben in der Vergangenheit erzählt. Jeder Ort braucht
Gebäude für ein Ortsbild, die die Identität eines Ortes prägen. Verliert Hochdorf zu viele von
den alten ortsbildprägenden Gebäuden, verliert sich Hochdorf zunehmend in der X-

Beliebigkeit. Dies gilt es zu unserer Ansicht nach bedenken. Übrigens gelten diese
Überlegungen auch für die Gebäude gegenüber des Rathauses.
Hofäcker: Hochdorf wird sich auch an den Rändern erweitern. Dies ist zum einen das
Baugebiet "Hofäcker". Mit "Hofäcker I" steht die Beplanung des größeren Teils der Fläche in
ihrer Endphase. Mit "Hofäcker II" steht eine Reservefläche für Wohnbebauung in der Zukunft
bereit. Diese mögliche zukünftige Bebauung wurde bereits bei der Planung von "Hofäcker I"
berücksichtigt.
Mittleres Feld: Die derzeitige Gesetzeslage ermöglicht es Gemeinden, in einem
vereinfachten Verfahren Baugebiete zu entwickeln. So entstehen derzeit nicht nur in
Hochdorf neue Baugebiete. Wir von den Grünen stehen für eine Bauentwicklung mit Maß
und Ziel. So haben wir die Entwicklung des Baugebiets "Mittleres Feld" in seiner Dreiteilung
von Wohnbebauung, Mischgebiet und Gewerbegebiet grundsätzlich begrüßt, da wir hier
vielfältige Chance für Hochdorf sehen. Allerdings hat sich die überplante Fläche im
Planungsprozess deutlich vergrößert. Als Grüne stehen wir bekanntlich der fortschreitenden
Versiegelung von Ackerflächen kritisch gegenüber und können uns mit der Größe des
Gebietes nicht anfreunden. Aber wir akzeptieren Mehrheitsentscheidung als den Kern des
Demokratieverständnisses und tragen daher die Planung des Baugebiets "Mittleres Feld"
mit. Wir werden uns bei der weiteren Beplanung dieses Gebiets intensiv und konstruktiv
einbringen.
Katastrophenschutz:
Das Jahr 2018 war auch von einem Ereignis geprägt, dass keiner hatte kommen sehen. Der
extreme Starkregen ließ den Tobelbach über die Ufer treten, die Wassermassen
verwandelten die Bachstraße in kürzester Zeit in einen reißenden Fluss und ließen Keller,
Tiefgaragen und Wohnungen volllaufen. Die Schäden hier und durch das an allen Hängen
herabschießende Wasser waren beträchtlich. An dieser Stelle sei allen gedankt, die bei der
Beseitigung der Schäden mitgeholfen haben. Ob es sich bei diesem Starkregen um ein
seltenes Extremereignis handelt, was zu hoffen ist, oder ein Vorbote der Konsequenzen des
Klimawandels, und zukünftig wahrscheinlicher wird, weiß keiner zu sagen. Wichtig ist daher,
für die Zukunft besser gerüstet zu sein. Einiges wurde schon umgesetzt: die Feuerwehr ist
dabei, ihre Ausrüstung zu ergänzen, am Tobelbach wurden Sensoren installiert, um
anschwellendes Wasser zu registrieren. Aber genauso wichtig sind Notfallpläne und ein
Starkregenmanagement, welches immer auf dem aktuellen Stand gehalten werden muss.
Mobilität:
Wir, die Fraktion der Grünen, sind bestrebt immer das große Ganze im Auge zu behalten.
Neben der Ortsentwicklung, über die wir bereits ausführlich gesprochen haben, ist ein
weiteres Thema unter dem Stichwort "Mobilität" zusammengefasst, das uns –sprichwörtlich
- bewegt. Mobilität findet auf vielfältige Weise statt: im Auto, Motorrad, Moped, Fahrrad, zu
Fuß, privat oder als Nutzer des öffentlichen Nahverkehrs. Mobilität bedeutet Bewegung und
Mobilität an sich ist auch ständig Veränderungen unterlegen.

Öffentlicher Nahverkehr: Wir fordern Sie, Herr Kuttler und die Verwaltung auf, sich
intensivier für eine Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrs einzusetzen. Im April erfolgt
eine umfassende Tarifreform des Verkehrsverbundes. Öffentlich Fahren kann je nach
Fahrtziel deutlich attraktiver werden. Dies gilt es auch für Hochdorf zu nutzen! Es geht nicht,
dass man eine Verbesserung der Verbindungen am Wochenende vornimmt und gleichzeitig
Busverbindungen für Berufstätige einspart. Auch werden in den nächsten Jahren mehr
Schüler nach Kirchheim in die Schule gehen, da das Plochinger Gymnasium nicht mehr alle
Hochdorfer Schüler aufnehmen wird. Hier gilt es den bestehenden Fahrplan zu verbessern.
Ziel sollte eine ständige Erweiterung des ÖNPV-Angebots sein. So sollte auch im Zuge der
Entwicklung des Baugebiets "Mittleres Feld" die Erschließung desselben durch den ÖNPV
geplant werden.
E-Mobilität: sie ist in aller Munde und in den umliegenden Orten finden sich zunehmend
öffentliche Ladestationen. Wie weit sind hier die Planungen in Hochdorf? Wir stellen daher
einen Antrag zur Bedarfsanalyse, Standortauswahl und Zeitplan für die Errichtung von
Ladestationen in Hochdorf. Diese sollten auch für E-Bikes und Pedelecs nutzbar sein.
Fahrrad fahren: Die Nutzung der E-Bikes hat sich ja in den letzten Jahren rasant entwickelt.
Fahrradfahren ist dadurch wieder ein großes Thema geworden. Daher sollten auch die
Fahrradfahrer mehr als bisher als Verkehrsteilnehmer in den Fokus der Gemeindeverwaltung
rücken und – so unser Antrag - ein Verkehrskonzept für Radfahrer entwickelt werden.
Parkmöglichkeiten und vor allem Tempo 30 in der Ortsmitte sind weitere Aspekte, die zum
Thema Mobilität gehören und weiter verfolgt werden müssen.
Natur und Umwelt:
Bienenweiden: Natur und Umwelt ist ein Kernthema für Grüne. Vor 2 Jahren haben wir den
Antrag auf Einrichtung von Bienenweiden gestellt, letzten Sommer blühten die Flächen das
erste Mal. Wir hoffen, dass durch die richtige Pflege die Hochdorfer und die Hochdorfer
Insekten sich noch lange an den Blumen erfreuen können. Wir können uns vorstellen, dass
diese Flächen noch ausgeweitet werden und aus dem ursprünglichen Antrag eine
kontinuierliche Aufgabenstellung für den Bauhof wird.
Talbach: Auch die Umgestaltung des Talbachs ist uns ein großes Anliegen, auf dessen
Umsetzung wir warten. Leider bedeutet die Nachrangigkeit gegenüber den Bautätigkeiten im
Umfeld des Talbachs, dass sich Verzögerungen dort auch auf den Beginn der Maßnahmen
zur Gestaltungen des Talbachs durchschlagen. Die Umgestaltung des Talbachs in einen
erlebbaren Bachlauf wird für alle in Hochdorf ein großer Gewinn sein.
Kindergarten und Schule:
Der neue Kindergarten "Im Hof" wird den zunehmenden Bedarf an Ganztagskinderplätzen
für unter 3 Jahre und 3-6 jährige decken und ist auch in Hinblick auf die geplanten
Neubaugebiete zu befürworten.

Neben der Schaffung neuer Ganztages-Plätze für Kinder unter 6 Jahren gilt es auch, das
Thema Schulkindbetreuung bzw. Ganztagesschule anzugehen. Es gibt verschiedene
Möglichkeiten, wie die Betreuung der Schulkinder auch am Nachmittag sichergestellt
werden kann. Im Dialog mit allen Betroffenen - also Eltern, Schule, Verwaltung - wollen wir
ein für alle tragbares, akzeptables Konzept finden.
Finanzen:
In der Sitzung am 29.01. hat Frau Haller den Haushaltsplan für 2019 vorgelegt. Schön zu
hören, dass auf Grund der guten Konjunktur und der besonnen Wirtschaftsweise wieder ein
Jahr ohne neue Schulden im Kernhaushalt geplant ist und die Schulden 2019 weiter reduziert
werden. Nach der derzeitigen Planung werden die diesjährigen Investitionen aus den
Einkünften möglich sein und das angesparte Finanzpolster kann für die kommenden Jahre
vorgehalten werden.
Ehrenamt und Vereine:
Wir möchten uns bei allen Ehrenamtlichen bedanken, die sich auf vielfältige Weise in
Hochdorf für die Gemeinschaft einsetzen: im Sportverein, Musikverein, Gesangsverein, Fair-
Trade und allen anderen Vereinen, in der Flüchtlingshilfe und für Senioren und vielen
anderen Gruppen. Sie engagieren sich dafür, dass Hochdorf ein lebendiger und geselliger Ort
ist. Das verdient unsere Hochachtung und unseren Dank! Wir können die Arbeit der
Ehrenamtlichen unterstützen, indem wir für Vereine und Gruppen in Hochdorf Gruppen- und
Lagerräume bereitstellen.
Wir unterstützen die Vereine bei ihren Anträgen und stimmen dem Haushaltsplan 2019 zu.
Für die Fraktion Bündnis 90 /Die Grünen
Andrea Holzer, Dr. Doris Dirmeier